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    Bibliothek Ludothek Verwaltung Spiez

    2014
    Spiez

    http://www.spiezerkulturnacht.ch/einweihungsfest-biblio-und-ludothek/buc...

    http://referenzbauten.de/bauprojekt/neubau-bibliothek-ludothek-verwaltung-spiez.html

    http://www.bibliobe.ch/de/News/Informationen-2015-2/Regionalbibliothek-Spiez.aspx

    https://www.homify.de/projekte/56979/bibliothek-ludothek-verwaltung-spie...

     

    Buchwert

    Für die neue Regional - Bibliothek/Ludothek der Stadt Spiez war 2010 ein zweistufiger Projektwettbewerb durchgeführt worden. Den 1. Rang hat der Projektvorschlag "Buchwert" des Büros bauzeit architekten sia gmbh aus Biel von der Jury zugesprochen bekommen. Der Entwurf war auf einen zweigeschossigen Holzbau ausgerichtet, der ein Bindeglied zwischen der Schulanlage und der Gemeindeverwaltung bildet. Im Obergeschoss sind Verwaltungsräume der Gemeinde (Sozialdienst) angesiedelt.

    Die detaillierte Projektierungsarbeit erstreckte sich von 2011 bis 2013. Danach folgten die bauliche Realisierung und der Bezug des Gebäudes im Herbst 2014.

    Städtebaulich und massstäblich gehört der Baukörper zum Ensemble der bestehenden öffentlichen Bauten. Das Volumen ordnet durch seine Form auf alle Seiten hin den Raum: der ostseitige Park mit den exotischen Bäumen erhält eine räumliche Einfassung, und auf der Westseite bleibt ein entspannender Abstand zwischen der Wohnhaus-Struktur und den öffentlichen Bauten. Nordseitig zeichnet es die topographische Hang-Fusskante.

    In ihrer äusseren Erscheinung bringt die Architektur unmissverständlich den öffentlichen Bau zum Ausdruck, auf mehrere Arten lesbar:

    Die rhythmisierten Holzfassaden betonen das Volumen als Gesamtform und sind frei von ikonographischen Elementen bestimmter Nutzungstypen. Sie bewirken gleichsam eine gewisse Monumentalisierung wie auch eine zurückhaltende Ruhe, und verleihen dem Gebäude eine unprätentiöse Lebendigkeit. Sie erinnern ein wenig an die Struktur von Büchern im Regal. Als Holzbau integriert sich das Gebäude in die alte, regionale Bautradition, ohne jedoch deren Formen zu imitieren.

    In die massiven Holzkanteln der Fassade, welche auch als Beschattungselemente und Absturzsicherung dienen, sind rund 172 Buch- und Spiele-Titel eingefräst, als Verneigung vor der Arbeit ihrer Autoren. Inspiriert sind diese von den filigranen Friesen und Schriftbändern der alten Oberländer Holzbauten, welche Wind und Wetter über viele Jahrzehnte standhalten, und einen genauer hinschauen lassen. Man beginnt zu lesen und über die Bedeutung nachzudenken. Die Fassade des Neubaus verweist auf alte Zeugen von Sorgfalt der Zimmerleute, und auf Wandlungen in Technik und Inhalt. Von Hand zu schnitzen ist heutzutage in diesem Ausmass nicht mehr bezahlbar. Mit computergesteuerten Fräsen wurden die typografischen Vorlagen in verschiedenen Tiefen dreidimensional ins Holz gekerbt - mal negativ, mal positiv. Je nach Licht und Witterung werden auf den zweiten Blick die Buch-Titel sichtbar. Mit der Zeit werden sie durch die Witterungserosion weicher, vielleicht undeutlicher, werden sonnengebräunt, das Holz spaltet sich. Die Kanteln dürfen altern und wirken dadurch noch lebendiger und schöner.

    Die Auseinandersetzungen mit Sprache, Wahrnehmung und Assoziationen führte zu einem Corporate Design der Bibliothek / Ludothek in Spiez, und wurde in Variationen für die Signaletik innen weiter geführt.

     

    Konstruktion mit Schweizer Holz

    Die eigentliche Baustruktur des zweigeschossigen Flachdachgebäudes wurde mit Geschossdecken und Wänden in Holzsystembauweise errichtet. Die Bauherrschaft legte grossen Wert darauf, dass der Bau aus zertifiziertem Schweizer Holz hergestellt und verbaut werden (siehe Einschub "Bauherrschaft setzt auf Schweizer Holz").

    Die Geschossdecken bestehen aus vorgefertigten Hohlkastenelementen.

    Die Aussenwände sind in Rahmenbauweise mit integrierten Brettschichtholzstützen und tragenden Unterzügen aus Furnierschichtholz ausgeführt. Auf der Aussenseite ist eine hinterlüftete Holzfassade aufgebracht.

    Die massiven Holzquerschnitte der Fassade altern gut, und können - wenn es nach Jahren erforderlich sein sollte - problemlos repariert oder einzeln ersetzt werden, ähnlich wie bei den alten Holzbauten im Oberland.

    Die Innenseite ist mit einer sichtbar geschraubten Dreischichtplatte verkleidet.

     

    Aussen- und Innengestaltung mit Holz

    Das Ambiente der Innenräume wird ebenfalls vom Holzcharakter der als raumseitige Bekleidung eingesetzten Dreischichtplatten (Fichte/Tanne), sowie von der Akustikdecken aus Holzlatten bestimmt.

    Innen können die Grundrisse - dank den nichttragenden Zwischenwänden - den sich ändernden Bedürfnissen frei angepasst werden.

     

    Bauherrschaft setzt auf Schweizer Holz

    In Zeiten, in denen Holzprodukte für den Bau aufgrund der Währungssituation oft aus dem Ausland kommen, ist es geradezu aussergewöhnlich, dass satte 98 Prozent der insgesamt 451 Kubikmeter Holz, die beim neuen Bibliotheks- und Ludotheksgebäude verbaut wurden, aus dem Rohholzbestand des nachhaltig bewirtschafteten Schweizer Waldes stammen. Dort wachsen jedes Jahr rund zehn Millionen Kubikmeter Holz nach. Auf die Sekunde umgerechnet ergibt das einen Holzwürfel mit einer Kantenlänge von 0,70 Metern.

    Für das vorbildliche Engagement zugunsten des einheimischen Holzes bei der Materialisierung des kommunalen Neubauprojektes ist die Gemeinde Spiez als Bauherrin mit dem Herkunftszeichen "Schweizer Holz" der Lignum ausgezeichnet worden. Der neugebaute Kommunalbau in Spiez ist das erste Bauobjekt im Berner Oberland, das dieses Zertifikat vorzuweisen hat.
     

    Wettberwerb: 1.Preis 2010

    In Zusammenarbeit mit BBR Architekten AG (Bauleitung), Pirmin Jung AG (Holzbauingenieur), Susanne Dubs, Designerin FH (Grafik Fassaden und Signaletik), bbz landschaftsarchitekten (Landschaftsarchitektur), Françoise Chevalier (Bibliotheksplanung)

    Fotos: Yves André